Ach ja, das Fitnessstudio! Normalerweise der Ort, dem unsere Vorsätze für das neue Jahr gelten. Weswegen wir uns auch dort anmelden, begleitet von der Hoffnung, dass nun für den Muskelaufbau gesorgt wäre. Bis wir erkennen müssen, dass es mit der Anmeldung allein nicht getan ist. Bei dem Ehrgeiz reicht es nicht bis vor die Tür eines Fitnessstudios, außerdem stärken wir unseren Body lieber in der Kneipe oder so, mit einem Bier und ‘ner Currywurst, so einfach ist das. Vom Fitnessstudio nehmen wir nur ab, weil wir davonrennen, wenn wir nur eines von Weitem sehen.

Die Story hier ist also auch nicht meine eigene, die hat mir ein Bekannter erzählt, der wirklich ins Fitnessstudio geht. En komischer Kauz ist er. Ein Muskelbepackt, ja, aber ein wenig eigentümlich. Er erzählte also, dass er irgendwann im Fitnessstudio gerade beim Crossfit war (für Sportmuffel: ‚Crossfit‘ ist Englisch und bedeutet ‚Rennen‘, nämlich auf dem Laufband, wie die Dinger im Flughafen). Er meinte, dass er bei der Übung einen derartigen Adrenalinschub bekommen hätte, dass ihm davon ganz heiße Gedanken gekommen wären, und ein unsäglicher Drang, den Wellnessbereich zu besuchen. Und zwar nicht alleine, sondern am liebsten mit einem Mädchen, das er dort im Studio immer wieder gesehen hatte. (Damit ihr mir folgen könnt: im Wellnessbereich gibt es Bäder mit verschiedenen Temperaturen, wie ein Türkisches Bad, nur feuchter und vor allem teurer).

Es ging weiter: nach einer Reihe unzähliger Übungen und Wiederholungen von Burpees, Snatch, Muscle-up und anderen Übungen mit Bezeichnungen, bei denen es bei mir absolut nicht klingelte (ich denke dabei irgendwie an meine Playstation, wer es genauer wissen will, kann es ja googlen), tauchte plötzlich dieses Mädchen auf, und schaute ihn begehrend an, während er beim Spinning den Gang hochschaltete (Spinning, ist das nicht dieses Ding, auf dem man Stufen auf- und absteigt? Ich könnte mich irren). Er erzählte weiter, dass sich beide allein durch ihre Blicke so in Erregung versetzt hätten, dass sie bei der nächstbesten Gelegenheit zusammen in den Wellnessbereich gehetzt wären (also in diese Bäder). Klasse, unterbrach ich ihn, kein Wunder also, dass die Beiträge so teuer sind, aber dass es sich ja lohne.

Ich solle ihn gefälligst nicht mit Lappalien unterbrechen. Im Wellness-Bereich, ja, da hätten sie dann die guten Übungen gemacht. Burpees und Snatch und Wie-Sie-Alle-Heißen wären nichts dagegen. Sie hätten zusammen das Wasser zum Kochen gebracht, und dass man Spaghetti hätte kochen können. Und ob es nicht denkbar wäre, warf ein, dass dein Mädel möglicherweise an Blähungen litt, und sich darum Bläschen im Wasser gebildet hatten? Sehr witzig, fand er, und dass ich ihn gefälligst nicht unterbrechen solle.

Sie hätten dann angefangen, sich zu streicheln, erst ganz sachte und langsam. Danach wäre es aber richtig zur Sache gegangen, es wäre ach, so wunderschön gewesen. Mann, machte mich das neidisch, nicht nur weil er solche Muskeln hatte, vor allem, weil er tatsächlich ins Fitnessstudio ging, und da auch noch ein Mädchen kennengelernt hatte, die wie eine Göttin war, und athletisch obendrein. Er könne da jetzt nicht ins Detail gehen, schließlich sei man Kavalier und wisse über solche Dinge zu schweigen. Nur dass die Göttin ihn sich so richtig zur Brust genommen hätte. Und dass es übrigens nicht das erste Mal gewesen sei, dass er in diesem Fitnessstudio sexuelle Erlebnisse gehabt hätte. Ob er denn auch sicher wisse, dass er da von einem Fitnessstudio spräche, ich fing schon an zu zweifeln. Doch, aber dass die Leute da alle so unglaublich gut aussähen, und dass er selbst schließlich auch nicht den Tag in irgendeiner Kneipe bei Bier und Currywurst totschlüge. Dass er das ungemein spitzfindig ausgedrückt hätte, meinte ich.

Und dann erlaubte ich mir, dem Muskelpaket noch eine letzte Sache zu sagen, wohl als Entschuldigung: Du ja magst viel über Spinning und Burpees und all die eigenartigen Sportarten Bescheid wissen. Ich habe dafür aber eine Geheimwaffe. Dabei zog ich meine Tokkets aus der Hosentasche. Mit denen erlebst du jedes deiner Sexerlebnisse noch viel intensiver, Kumpel. Ach, echt? fragte er erstaunt. Er war so perplex, dass ihm die Luft aus den Muskeln wich, die vor meinen Augen in sich zusammen vielen. Klar, und man kann sie überall benutzen, im Fitnessstudio oder sogar auf der Toilette einer Kneipe bei Bier und Currywurst. Das hättest du wohl nicht gedacht, wie?!